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Mariazellerbahn
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Stromabnehmerschaden an der 1099.011
Stromabnehmerschaden an 1099.11
Die Tunnel der Mariazellerbahn verfügen nur über ein sehr enges Lichtraumprofil, da sie
noch für den Dampfbetrieb ausgelegt wurden. Darüber hinaus sind aufgrund der
geologischen Gegebenheiten viele Tunnel der Mariazellerbahn sehr feucht, weshalb es
gerade im Winter sehr oft zu erheblicher Eiszapfenbildung an den Tunneldecken kommt.
Diese Eiszapfen stellen allerdings eine erhebliche Gefahr für die Stromabnehmer der
elektrisch betriebenen Fahrzeuge dar, da nicht auszuschließen ist, daß von der
Tunneldecke herabhängende Eiszapfen die Schleifleiste des Stromabnehmers beschädigen,
wenn dieser bei voller Fahrt gegen einen dieser Eiszapfen läuft.
Da sich aufgrund des engen Lichtraumprofils in den Tunneln die Stromabnehmer der
elektrisch betriebenen Fahrzeuge bei Tunneldurchfahrten sehr weit absenken, so daß der
Fahrdraht nur wenig oberhalb des Daches der Lokomotiven verläuft, lag es nahe an der
Oberschere der Stromabnehmer der Elektroloks der ÖBB-Reihe 1099 je einen Eisbrecherbügel
in kurzer Entfernung links und rechts der Schleifleisten zu montieren. Sie schlagen die
Eiszapfen ab, bevor die Schleifleiste mit diesen in Berührung kommen kann.
Gerade jedoch diese im Winter so vorteilhaften Eisbrecherbügel sollten sich am 12.
August 2008 im Verlauf der Fahrt des Zuges R 6837 von St. Pölten Hauptbahnhof nach
Laubenbachmühle als hinderlich erweisen.
Für eine vergrößerte Darstellung der Aufnahmen bitte das jeweilige Bild
anklicken!
Einige Reserve-Stromabnehmer für die Loks der Reihe 1099 waren im
Stromabnehmer-Lager der Zugföderungsstelle St. Pölten-Alpenbahnhof immer auf
Lager.
Sehr gut kann man auf dieser Aufnahme die beiden Eisbrecherbügel erkennen, die
sich links und rechts der Schleifleiste befinden und mit denen Eiszapfen, die in
den Tunneln der Mariazellerbahn von der Decke hängen können, abschlagen, bevor
sie die Schleifleiste beschädigen können.
Am späten Nachmittag dieses Tages wollte ich den Zug R 6837 am Natterstunnel abpassen
und hatte mir, nachdem ich aufgrund der Enge des Tals mein Auto in einiger Entfernung
geparkt hatte, einen guten Standplatz mit Blick auf den Tunnelmund und die Strecke
ausgesucht, der perfekte Lichtverhältnisse für den in gut einer Viertelstunde zu
erwartenden Zug versprach.
Der Zeitpunkt der Zugdurchfahrt rückte unaufhaltsam näher, jedoch von dem erwarteten Zug
war nichts zu vernehmen. Unterdessen wurden die Schatten im engen Natterstal lang und
länger und als ich schließlich gut eine Dreiviertelstunde gewartet hatte und der
Tunnelmund mittlerweile auch schon im Schatten der benachbarten Berge lag, beschloß ich
nicht länger zu warten.
Auf dem Weg zum Auto kamen mir am Straßenrand mehrere Fußgänger entgegen, genauso wie
sie mir schon vorher, als ich noch verzweifelt an meiner Fotostelle ausgeharrt hatte
aufgefallen waren und bald stellte sich im Gespräch mit ihnen heraus, daß der von mir so
sehnlichst erwartete Zug im nur gut einen Kilometer entfernten Bahnhof von Schwarzenbach
an der Pielach mit einem technischen Gebrechen untauglich geworden war und auf
Hilfeleistung wartete.
So schön wie auf dieser Probeaufnahme hätte die Aufnahme am Natterstunnel am
12.08.2008 werden können, wenn doch bloß der ersehnte Zug R 6837 gekommen wäre.
Sobald ich das Auto erreicht hatte machte ich mich deshalb auf den Weg zum nahen Bahnhof
von Schwarzenbach an der Pielach, wo ich auf den im durchgehende Hauptgleis stehenden
Zug R 6837 mit der untauglich gewordenen Lok 1099.011-7, sowie seine Mannschaft und
einige verbliebene Reisende traf. Die Verspätung des Zuges R 6837 betrug zu diesem
Zeitpunkt bereits respektable 45 Minuten, jedoch, dabei sollte es nicht bleiben.
Es bedurfte nur eines kurzen Gespräches mit dem Triebfahrzeugführer, um Art und Umfang
des technischen Gebrechens der Lok zu überschauen. An eine behelfsmäßige Reparatur und
eine anschließende Weiterfahrt, war indes nicht zu denken. Allein schon, da ein
Besteigen des Lokomotivdaches zur Beseitigung des Schadens aufgrund der
spannungsführenden Oberleitung unmöglich war.
Als ich Schwarzenbach an der Pielach erreichte, stand der Zug R 6837 mit der
untauglichen Lok 1099.011-7 bereits 45 Minuten wartend auf dem Hauptgleis.
Die meisten Fahrgäste hatten bereits ihren weiteren Heimweg zu Fuß angetreten,
weshalb neben der Zugmannschaft nur noch wenige Reisende auf die Weiterfahrt
warteten.
Ein kurzes Gespräch mit dem Triebfahrzeugführer reichte, um zu erfahren, was die
Ursache für die Untauglichkeit der lok war: der gebrochene Eisbrecherbügel des
Stromabnehmers blockierte mit seinen beiden verbogenen Enden die Wippe des
Stromabnehmers.
Da hier in Schwarzenbach an der Pielach nichts weiter auszurichten war, beschloß ich
nach Laubenbachmühle zu fahren um beim dortigen Fahrdienstleiter in Erfahrung zu
bringen, was nun als nächstes passieren sollte. Irgendwie mußte ja der liegengebliebene
Zug von der Strecke geholt werden um den weiteren Zugverkehr nicht noch mehr zu
beeinträchtigen.
Von dem gut eine Stunde vor dem untauglich gewordenen Zug R 6837 verkehrenden Zug R 6835
stand dort die Lok 1099.008-3 abgestellt. Sie sollte am Abend den Leerpersonenzug aus
Zug R 6841 zurück nach St. Pölten-Alpenbahnhof bespannen. Somit war zwar eine
Zuglokomotive zur Bergung des Zuges R 6837 vorhanden, jedoch es fehlte ein
Triebfahrzeugführer um den liegengebliebenen Zug von Schwarzenbach an der Pielach nach
Laubenbachmühle abzuschleppen.
In Laubenbachmühle stand zum Glück die Lok vom Zug R 6835 abgestellt und wartete
auf ihre Rückfahrt nach St. Pölten-Alpenbahnhof, die am späten Abend mit dem
Leerpersonenzug aus Zug R 6841 erfolgen sollte.
Eine Lok zum Abschleppen war also vorhanden, es fehlte nur noch ein
Triebfahrzeugführer, der die Lok nach Schwarzenbach an der Pielach hätte fahren
können.
Kurz nach 18:00 Uhr fuhr dann planmäßig in Laubenbachmühle der Zug R 6816 von Mariazell
ein, dessen Triebfahrzeugführer kurzerhand zwangsverpflichtet wurde mit der abgestellten
Lok 1099.008-3 den liegengebliebenen Zug R 6837 zu bergen. Die Reisenden des Zuges R
6818 konnten derweil ihre Wartezeit damit überbrücken, den Bahnhof Laubenbachmühle zu
erkunden.
Wenn es das früher hier am Bahnhof befindliche Büffet noch gegeben hätte, hätte man dort
an diesem Tag sicherlich einen Umsatz gemacht, der in die Geschichte eingegangen wäre.
Der fehlende Triebfahrzeugführer für die Fahrt zur Bergung des Zuges R 6837 in
Schwarzenbach an der Pielach kam kurz nach 18:00 Uhr mit dem Zug R 6816, dessen
Weiterfahrt aufgrund des liegengebliebenen Zuges R 6837 ohnehin nicht möglich
war, in Laubenbachmühle an.
Nun mußte nur noch die Lok 1099.008-3 aufgerüstet werden und die Bergungsfahrt
nach Schwarzenbach an der Pielach konnte beginnen.
Sobald die in Laubenbachmühle abgestellte Lok 1099.008-3 aufgerüstet war und über Gleis
3 umgesetzt hatte, konnte die Fahrt nach Schwarzenbach an der Pielach beginnen um den
liegengebliebenen Zug R 6837 abzuschleppen.
Nur zwei Aufnahmen gelangen mir von der einzeln fahrenden Lok 1099.008-3, die
aus Laubenbachmühle zur Bergung des in Schwarzenbach an der Pielach liegen
gebliebenen Zuges losgeschickt wurde, auf ihrer knapp neun Kilometer langen
Fahrt nach Schwarzenbach an der Pielach, die sie mit erstaunlicher
Geschwindigkeit absolvierte.
◂ Hier ist die Lok an einer Eisenbahnkreuzung kurz vor
Erreichen von Frankenfels zu sehen.
▸
Nur fünf minuten später hatte die Lok bereits Hofstadt passiert.
Nachdem die Lok 1099.008-3 Schwarzenbach an der Pielach erreicht hatte, wurde sie sofort
vor den dort wartenden Zug R 6837 mit der untauglich gewordenen Lok 1099.011-7
gespannt.
Auch die Starkstromelektriker der EVN waren zwischenzeitlich schon eingetroffen und
schalteten, nachdem die Loks zusammengekuppelt waren, die Fahrleitung ab, um das Dach
der Lok besteigen zu können und den Stromabnehmer dort behelfsmäßig zu befestigen.
Das war nötig um zu verhindern, daß der Stromabnehmer während der Tunneldurchfahrten
gegen den Fahrdraht schlagen und dabei noch mehr Schaden anrichten könnte.
Bereits 91 Minuten Verspätung hatten sich angesammelt als Lok 1099.008-3 endlich
Schwarzenbach an der Pielach erreicht hatte und an den liegengebliebenen Zug R
6873 mit der untauglichen Lok 1099.011-7 angekuppelt wurde.
Nachdem die Bremsprobe durchgeführt worden war und die Fahrleitung durch die
zwischenzeitlich eingetroffenen Starkstromelektriker der EVN abgeschaltet worden
war, konnten diese noch eben den beschädigten Stromabnehmer der Lok 1099.011-7
am Dach der Lok mit Draht festbinden, damit er während der Fahrt im Tunnel nicht
versehentlich die Fahrleitung berühren konnte.
Kaum das der Stromabnehmer auf diese Weise gesichert und die Fahrleitungsspannung im
Bahnhof Schwarzenbach an der Pielach wieder eingeschaltet war, setzte sich der
Bergungszug auch schon in Bewegung. Seine Verspätung hatte sich seit dem ich vorher von
Schwarzenbach an der Pielach nach Laubenbachmühle weggefahren war mehr als verdoppelt
betrug nun immerhin schon über eineinhalb Stunden!
Fast sah es nach einer klassischen Vorspannleistung aus, wenn nicht die zweite Lok
abgebügelt und der Zug ohnehin viel zu kurz gewesen wäre um eine echte Vorspannleistung
zu rechtfertigen, noch dazu, da er ja gar nicht über die Bergstrecke verkehren
sollte.
Nun mußte nur noch die Fahrleitung wieder eingeschaltet werden und der
Weiterfahrt des Zuges R 6837 stand nun nichts mehr im Wege.
Hier sehen wir die unechte Vorspannleistung mit Lok 1099.008-3 und Lok
1099.011-7 kurz vor erreichen des Bahnhofs Frankenfels mit beachtlichen 97
Minuten Verspätung.
Mit einer Verspätung von 98 Minuten erreichte die Bergungsfahrt schließlich den
Zielbahnhof Laubenbachmühle. Hier konnte der Triebfahrzeugführer, der mit der Lok
1099.008-3 dem untauglichen Zug R 6837 zu Hilfe geeilt war, wieder die Lok seines
Zuges R 6816 besetzen um die Fahrt nach St. Pölten Hauptbahnhof fortzusetzen, worauf der
örtliche Fahrdienstleiter schon ungeduldig gewartet hatte.
Dem Triebfahrzeugführer des Zuges R 6837, der zwischenzeitlich den Führerstand der Lok
1099.008-3 erklommen hatte, oblag es nun seine Zugfahrt abzuschließen. Dazu zählte, die
Wagengarnitur ans Ende der bereits in Gleis 4 vom Zug R 6835 abgestellten Personenwagen
anzuhängen und anschließend die untaugliche Lok 1099.011-7 abzustellen.
Zu guter Letzt mußte er dann noch die Lok 1099.008-3, die wie bereits erwähnt eigentlich
mit dem Leerpersonenzug aus Zug R 6841 hätte nach St. Pölten-Alpenbahnhof zurückkehren
sollen, statt dessen vor den im Gleis 4 abgestellten Wagenpark für den am frühen Morgen
des Folgetages verkehrenden Zug R 6822 vorspannen.
Mit 98 Minuten Verspätung erreichte der Abschleppzug R 6837 endlich seinen
Zielbahnhof, Laubenbachmühle und noch während der Zug nach Gleis 3 einfuhr,
begab sich der Bahnhofsarbeiter bereits zur Einfahrweiche, um den Fahrweg des
Zuges nach dessen Einfahrt aufzulösen und die Ausfahrt des wartenden Zuges R
6816 vorzubereiten.
Nachdem die Ausfahrt des Zuges R 6816 eingestellt war, der Triebfahrzeugführer
seine Maschine wieder bestiegen hatte und die wartenden Fahrgäste auch wieder in
den Zug eingestiegen waren, konnte er endlich mit 40 Minuten Verspätung seine
Fahrt nach St. Pölten Hauptbahnhof fortsetzen, weshalb der Fahrdienstleiter auch
schon dienstbeflissen auf seine Uhr schaut.
Nachdem die Loks 1099.008-3 und 1099.011-7 den Wagenpark aus Zug R 6837 noch
rasch an das Ende der bereits auf Gleis 4 abgestellten Wagen von Zug R 6835
heranrangiert hatten, mußte nun noch einmal über Gleis 3 umgesetzt werden.
Der Triebfahrzeugführer des Zuges R 6837, der zwischenzeitlich schon auf den
Führerstand der Lok 1099.008-3 gewechselt hatte, schiebt nun nur noch die
untaugliche Lok 1099.011-7 auf das Abstellgleis am nördlichen Bahnhofskopf von
Laubenbachmühle.
Der Triebfahrzeugführer der Lok 1099.008-3 hat die untaugliche Lok 1099.011-7
abgestellt. Sie wurde durch den Bahnhofsarbeiter von Laubenbachmühle, der in
Personalunion Weichenwärter und Rangierer ist, abgekuppelt und ordnungsgemäß
festgebremst und wartet nun auf ihr weiteres Schicksal.
Den am nächsten Morgen verkehrenden Zug R 6822 wird sie jedenfalls nicht
bespannen können.
Unterdessen fährt Lok 1099.008-3 an die im Gleis 4 abgestellte Wagengarnitur für
den am nächsten Morgen verkehrenden Zug R 6822 und wird sogleich an diese
angekuppelt.
Außerplanmäßig fährt sie somit nicht mit dem später am Abend verkehrenden
Leerpersonenzug nach St. Pölten-Alpenbahnhof zurück, sondern übernachtet statt
dessen in Laubenbachmühle.
Hier ist nochmals die untauglich abgestellte Lok 1099.011-7 in Laubenbachmühle
zu sehen.
Der Stromabnehmer der abgestellten Lok 1099.011-7 ist fachgerecht
heruntergebunden.
Von dem neben dem Abstellgleis befindlichen Hang aus ist nochmals das
gesamte Ausmaß des Schadens am Eisbrecherbügel der Lok 1099.011-7 zu sehen.
Ohne das Improvisationstalent und den Willen zu unkonventionellen Lösungen seitens der
beteiligten Eisenbahner wäre in Folge dieses Zwischenfalls sicherlich der weitere
Zugbetrieb an diesem Tag südlich von Kirchberg an der Pielach zum Erliegen
gekommen.
Statt dessen konnten jedoch sogar Aufgrund der relativ vielen, noch mit Personal
besetzten Bahnhöfe entlang der Mariazellerbahn im weiteren Verlauf dieses Abends mit
einer Ausnahme auch die weiteren Züge zwar mit teils erheblicher Verspätung, jedoch
wenigstens überhaupt noch über die Strecke gebracht werden. Lediglich der Zug R 6841
fiel ab Kirchberg an der Pielach aus und wurde von dort als Leerpersonenzug nach St.
Pölten-Alpenbahnhof zurückgeschickt. Die Reisenden aus diesem Zug mußten deshalb mit dem
80 Minuten verspäteten Zug R 6817, der immer noch in Kirchberg an der Pielach stand als
der Zug R 6841 dort eintraf, ihre Weiterfahrt nach Mariazell antreten.
Erst auf den Tag genau dreiundzwanzig Monate später gelang mir dann doch noch die
Aufnahme an der Ausfahrt des Natterstunnels, wenn auch der Zug mit knapp zehnminütiger
Verspätung die Fotostelle passierte, so kam er immerhin überhaupt durch, wie auf dem
folgenden Bild zu sehen ist.
Da ich die Ausfahrt aus dem Natterstunnel ja nun leider an diesem denkwürdigen
12. August 2008 nicht im Bild festhalten konnte, versuchte ich bei einem
späteren Besuch der Mariazellerbahn nochmals mein Glück an der selben
Stelle.
Am 12. Juli 2010, genau 23 Monate nach dem ersten Versuch, hat es dann mit dem
Zug R 6837 doch noch so geklappt wie beabsichtigt. Allerdings hätte sich dieser
Zug an diesem Tag auch nicht wesentlich mehr Zeit mit seiner Durchfahrt durch
den Tunnel lassen dürfen. Aufgrund seiner zehnminütigen Verspätung streben auch
hier die Schatten der Berge dem Tunnelportal schon langsam und unaufhaltsam
entgegen.