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Österreich-Reisen in den 80er Jahren
Österreich-Reisen in den 80er Jahren
Während ich zwar bereits als Kind zusammen mit meinen Eltern regelmäßig im Auto nach
Österreich in den Winterurlaub gefahren war, bedurfte es erst einer Fahrt in den
Skiurlaub nach Ischgl - in den Osterferien des Jahres 1983 - die ich zusammen mit meiner
Mutter im Zug unternahm, um unter anderem in Landeck (Tirol) die ersten, für mich sehr
interessanten, da bis dato weitestgehend unbekannten Fahrzeuge der ÖBB kennen zu
lernen.
Damit war mein Interesse am Bahnbetrieb der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) sofort
geweckt, da ich dort nicht nur für mich bis dato weitgehend unbekannte Fahrzeuge
kennenlernen konnte, sondern ich auch etliche offensichtliche Altbaufahrzeuge antreffen
konnte, die bei der Deutschen Bundesbahn (DB) zum damaligen Zeitpunkt sicherlich schon
längst ausgemustert gewesen wären.
Sehr zum Leidwesen des Fotografen, hatte am 14.06.1987 eine unerkannt gebliebene
1020 einen Nutzvorspann durch 111 100-4 erhalten, um ihren Regionlazug von
Innsbruck hinauf auf den Brenner zu befördern.
Der Zug, bestehend aus einer Garnitur Schlierenwagen, hatte gerade am sehr
versteckt gelegenen Haltepunkt Unterberg-Stefansbrücke gehalten und setzt
sich soeben wieder in Bewegung, um in wenigen Minuten seinen nächsten Halt, dem
Haltepunkt Patsch zu erreichen. Vorher muß er jedoch noch den Unterbergtunnel,
den Patschertunnel sowie den Schürfestunnel durchfahren.
Nachdem die DB in den Jahren 1984 und 1985 nahezu alle Altbaufahrzeuge - sowohl die
Vorkriegsbauarten als auch die frühen Nachkriegsbauarten - aufs Abstellgleis geschickt
hatte, verlagerten sich meine fotografischen Interessen, den Eisenbahnbetrieb
betreffend, recht schnell auf andere Bahngesellschaften, die noch einen Bahnbetrieb nach
"Altväter Sitte" abwickelten.
Die Monotonie bei den damals seitens der DB noch eingesetzten Fahrzeugen, den
Einheits-Elektroloks aus den 1950er Jahren, die ja auch rein optisch im Grunde kaum eine
Abwechslung boten, sowie auch der Betrieb, der mit diesen Loks abgewickelt wurde,
entsprach zum damaligen Zeitpunkt in keiner Weise mehr dem, was ich von einem
klassischen Eisenbahnbetrieb erwartete, was letztlich für mich der Grund für diese
Interessenverlagerung war.
Aufgeschreckt durch Meldungen in der einschlägigen Eisenbahn-Fachliteratur, daß noch zu
Beginn des Jahres 1987 auch in Österreich etliche Altfahrzeuge der ÖBB abgestellt werden
sollten, entschloß ich mich möglichst frühzeitig noch im selben Jahr der ÖBB im
Allgemeinen und den von der ÖBB noch immer eingesetzten Altbaufahrzeugen im Besonderen,
einen Besuch abzustatten.
Die geplante Abstellung der Altbaufahrzeuge der ÖBB sollte nämlich damals beispielsweise
auch die besonders reizvolle Reihe 1018 - das Pendant zur bundesdeutschen Baureihe 118 -
ebenso betreffen, wie die alten österreichischen Baureihen 1045, 1145, 1245, 1080 und
1180, die damals ebenfalls immer noch im regulären Zugbetrieb anzutreffen waren.
Ein weiteres Argument, möglichst bald eine Reise zur ÖBB nach Österreich anzutreten,
war allerdings auch, daß damals die großen Strecken-Stillegungen bei der ÖBB noch nicht
stattgefunden hatten und man daher den Bahnbetrieb der ÖBB noch in seiner
Ursprünglichkeit würde erleben können.
Streckenübersichtskarte zum Kursbuch der ÖBB - Winterfahrplan 1986/87.
Selbst auf scheinbar unbedeutenden Strecken wurde seinerzeit meist noch immer ein reger
und abwechslungsreicher Betrieb durch die ÖBB abgewickelt. Hinzu kam, daß auch die
Strecken von überregionaler Bedeutung teils noch wie zu Kaisers Zeiten eingleisig
betrieben wurden und sich diese Strecken aufgrund der noch nicht durchgeführten
Modernisierungsmaßnahmen sehr harmonisch in die herrliche alpenländische Landschaft
einfügten.
Insbesondere aber auch die Tatsache, daß mit der Reihe 1018 - dem Pendant zur
bundesdeutschen Baureihe 118 - und der Reihe 1020 - dem Pendant zur bundesdeutschen
Baureihe 194 - bei der ÖBB noch Altbau-Elektroloks verkehrten, die bereits vor dem
Zweiten Weltkrieg durch die Österreichische Bundesbahn beschafft worden waren bzw. die
in der Zeit bis zum Kriegsende durch die Deutsche Reichsbahn beschafft und in Österreich
stationiert worden waren und nach dem Krieg dort verbliebenen waren und von deren
Schwesternloks ich die Einsätze bei der DB nicht mehr im gewünschten Umfang selbst hatte
erleben können, bestärkten mich in meinem Entschluß, nach Österreich zu reisen.
Dieser Entschluß, eine derartige Österreich-Reise nicht auf die lange Bank zu schieben
wurde für mich zusätzlich noch durch die Tatsache untermauert, daß meine damalige
Einberufung zur Bundeswehr anstand, ein Umstand der erwarten ließ, daß ich für die
kommenden 15 Monate so schnell keine weitere Möglichkeit haben würde, unserem
benachbarten Alpenstaat einen längeren Besuch abzustatten, weshalb ich beschloß, noch im
selben Frühjahr eine Österreich-Reise anzutreten.
▴Eine Seite einer typischen Kursbuchtabelle zur
Kursbuchstrecke 3 der ÖBB ist im oberen Bild abgebildet.
Verzeichnet sind alle Züge des Personenverkehrs, die damals zu der
entsprechenden Tageszeit zwischen Kufstein und dem Brenner
verkehrten.
◂Das nebenstehende Bild zeigt das amtliche
Kursbuch der ÖBB zum Jahresfahrplan 1987/88, daß dem Verfasser bei
einer seiner Österreich-Reisen hervorragende Dienste geleistet
hat.
Leider mußte ich allerdings recht schnell feststellen, daß die Vorbereitung einer
derartigen Reise gar nicht so leicht sein würde, da mir jegliche Kenntnis darüber
fehlte, wo die schönsten Gegenden waren, wo man ansprechende Fotos würde aufnehmen
können, aber auch, auf welchen Strecken und zu welchen Zeiten die ersehnten Loks
überhaupt unterwegs sein würden.
Zur damaligen Zeit, als es nicht nur kein öffentliches Internet gab, wie es heutztage
allgegenwärtig ist, sondern auch keine Social-Media-Communitys, über die man heutzutage
auf kurzem Weg an Informationen über Triebfahrzeugeinsätze bei den Eisenbahnen gelangen
kann, war man daher meist vollständig auf die meist spärlichen und etwas verspätet
publizierten Informationen aus der einschlägigen Eisenbahn-Fachliteratur, sowie die auf
amtlichen Kursbücher der jeweiligen Bahnverwaltungen angewiesen, um im Voraus planen zu
können, wann man möglicherweise welche interessante Zugleistung an welchem attraktiven
Ort am besten würde fotografieren können.
Leider war aber selbst die Beschaffung eines Kursbuchs bei der DB schon schwierig, da
die Kursbücher immer nur wenige Wochen vor und nach einem Fahrplanwechsel überhaupt
käuflich zu erwerben waren. Der Versuch, ein Kursbuch einer ausländischen
Bahngesellschaft, wie von der ÖBB, in Deutschland zu erwerben, galt mir als völlig
aussichtslos.
So blieb mir zur Vorbereitung meiner Österreich-Reise nur das Studium der erwähnten,
einschlägigen Eisenbahn-Fachliteratur sowie der Kauf eines kompletten Satzes der
Shell-Generalkarten von Österreich, um wenigsten zu wissen, wie man mit dem Auto dort
hin kommen könnte, wo die ersehnten Fahrzeuge eingesetzt sein sollten.
Am späten Nachmittag des 06.04.1987 ist 1041.002-5 im Bahnhof Schärding, an der
Passauer Bahn zwischen Wels und Passau gelegen, eifrig mit dem Bahnhofsverschub
beschäftigt. Dabei hat sie auch einen der damals noch häufig anzutreffenden
Trockeneis-Kühlwagen der Firma inter-frigo am Haken, der möglicherweise die
Versorgung des südlichen Innviertels mit frischem Nordsee-Fisch sicherstellen
sollte.
Neben den Altbaufahrzeugen, die damals durch die ÖBB noch eingesetzt wurden, waren für
mich aber auch die neueren Lokbaureihen der ÖBB durchaus sowohl in technischer Hinsicht,
als auch fotografisch von Interesse und versprachen einen abwechslungsreichen
Bahnbetrieb, so daß man selbst bei einer längerer Verweildauer an einer einzigen
Fotostelle recht schnell sehr viele abwechslungsreiche Bilder würde aufnehmen
können.
Ein weiteres Bonbon stellten natürlich auch die damals schon üblichen Durchläufe von
DB-Loks bis weit hinein nach Österreich dar, mit deren Hilfe insbesondere auch die
Transitzüge, die aus Deutschland kommend über den Brenner nach Italien verkehrten,
entscheidend beschleunigt werden konnten, da auf ein weiteres Umspannen der Lokomotiven
an der deutsch-österreichischen Grenze verzichtet werden konnte, so daß lediglich der
aufgrund des abweichenden, italienischen Stromsystems ohnehin notwendige Lokwechsel am
Brenner übrig blieb.
Auf diese Weise konnten dadurch auch DB-Loks einmal in völlig anderer Umgebung beim
Befahren der Brenner-Nordrampe erlebt werden.
Umgekehrt gab es vergleichbare Lokdurchläufe natürlich auch von Loks der ÖBB bis nach
Deutschland.
Darüber hinaus sind aber auch noch die damals ebenso schon üblichen, sogenannten
Korridorverkehre zu erwähnen, bei denen österreichische Binnenverkehrszüge ohne
Verkehrshalt über deutsche bzw. italienische Strecken im Transit verkehrten.
Dieses Verfahren wurde damals eingeführt, da aufgrund der besonderen topographischen
Gegebenheiten in Österreich die Verbindung wichtiger Zentren teils nur durch die
Inkaufnahme beträchtlicher Umwege, auf vielfach nur mit langsamen Geschwindigkeiten zu
befahrenden und dadurch leistungsschwachen Strecken realisiert werden konnte.
Der bekannteste Korridorverkehr war damals wohl zweifellos die Verbindung zwischen
Innsbruck und Salzburg, die ab Wörgl den kurzen und relativ flach trassierten Weg über
Kufstein, Rosenheim und Freilassing nach Salzburg nimmt, anstelle den wesentlich
weiteren und mit erheblichen Steigungsstrecken versehenen Weg über Schwarzach-St.Veit
und Bischofshofen zu nehmen.
Darüber hinaus soll aber auch der Korridorverkehr zwischen Innsbruck und Lienz erwähnt
werden, der auf italienischem Staatsgebiet über den Brenner und San Candido/Innichen
verkehrte.
Auf der Rudolfsbahn befördert die 1042 504-9 ihren Güterzug bei Rottenmann,
unterhalb der Burg Strechau, die im Hintergrund majestätisch auf der Bergspitze
des Burgberges trohn, am 12.06.1987 in Richtung Leoben.
Da mich die bei der ÖBB in Österreich vorgefundene betriebliche Vielfalt so sehr
fasziniert hatte, entschloß ich mich, noch im selben Jahr eine Wiederholung dieser Reise
zu unternehmen.
Hiermit möchte ich Sie daher nunmehr einladen, mich gedanklich auf meinen Reisen durch
Österreich in den 1980er Jahren zu begleiten und den damaligen Bahnbetrieb der ÖBB in
Wort und Bild auf sich wirken zu lassen.
Für eine vergrößerte Darstellung der Aufnahmen sowie vertiefende Informationen zu
den jeweiligen Bildern, bitte das jeweilige Bild anklicken!
1145.04 am 26.03.1983 vor der Remise der Zfst. Landeck (Tirol).
1045.014-6 am 06.04.1987 beim Bahnhofsverschub in Neumarkt-Kallham.
6581.058-2 und 5081.022-5 am 07.04.1987 mit R 3335 in Neumarkt-Kallham.
1018.007-3 am 07.04.1987 mit D 520 bei Neumarkt-Kallham.
1089.02 am 07.04.1987 im Freigelände der ÖBB HW Linz.
1043.010-6 am 07.04.1987 in der Lackierhalle der ÖBB HW Linz.
1018.008-1 am 07.04.1987 in Attnang-Puchheim.
1042.561-9 am 08.04.1987 mit R 3632 auf der Innbrücke bei Passau.
ET 22 104 + EB 22 208 der Linzer Lokalbahn am 08.04.1987 in Waizenkirchen.
ET 22 103 der Linzer Lokalbahn am 08.04.1987 in Waizenkirchen.
1046.019-4 am 08.04.1987 mit E 875 in Krems an der Donau.
2045.009-4 am 08.04.1987 mit R 6215 in Krems an der Donau.
2143.036-8 am 08.04.1987 mit R6127 bei Dürnstein.
5146.202-6 + 6546.222-8 am 08.04.1987 mit R6106 in Hirschenau-Nöchling.
1080.015-9 am 08.04.1987 bei Verschubarbeiten in Attnang-Puchheim.
5081.054-8 am 11.06.1987 mit R 3478 in Schärding.
1141.011-5 am 11.06.1987 mit R 3022 bei Leonding.
1080.012-6 am 11.06.1987 beim Bahnhofsverschub in Attnang-Puchheim.
1018.002-4 am 12.06.1987 mit E 806 bei Spital am Phyrn.
4010.015-8 am 12.06.1987 mit EX 117 bei Rottenmann.
1245.002-9 am 12.06.1987 mit G 79552 bei Rottenmann.
1245.002-9 am 12.06.1987 mit G 79552 in Rottenmann.
1245.522-6 am 12.06.1987 mit R 4406 in Selzthal.
1067.003-2 am 12.06.1987 in Selzthal.
1141.026-3 + 1018.004-0 am 12.06.1987 mit E 703 in Stainach-Irdning.
1080.002-7 am 12.06.1987 als Bahnhofsverschublok in Stainach-Irdning.
1161.017-7 am 12.06.1987 als Bahnhofsverschublok in Bischofshofen.
1245.511-9 + 1245.535-8 am 12.06.1987 mit G 77036 in Hochfilzen.
4010.014-1 am 12.06.1987 mit EX 111 in Hochfilzen.
1020.009-5 + 1010.006-3 am 12.06.1987 in Hochfilzen.
1010.006-3 am 12.06.1987 bei Pfaffenschwendt.
1245.535-8 am 12.06.1987 mit G 77036 bei Pfaffenschwendt.
601 004-5 am 13.06.1987 am Leidegg-Tunnel.
1020.009-5 + 1010.016-2 am 13.06.1987 bei Bk Leidegg.
111 220-0 + 1044.024-6 am 13.06.1987 mit D 1217 bei Stafflach.
1020.008-7 + 1110.023-7 + 1044 + 151 + 1044 am 13.06.1987 als Lokzug bei
Stafflach.
6030.311-2 am 14.06.1987 mit R 5219 bei Unterberg-Stefansbrücke.
2043.043-5 am 14.06.1987 mit R 4609 bei Mühlbachl.
1020.008-7 am 14.06.1987 mit R 5224 bei Mühlbachl.
1161.004-5 am 15.06.1987 beim Bahnhofsverschub in Innsbruck Hbf.