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Als zusätzliche Erschwernis kam natürlich hinzu, daß zur damaligen Zeit ganz in der Nähe meiner Heimat, in der Magdeburger Börde, der letzte Regelspurdampfbetrieb der DDR sich seinem Ende zuneigte, was für mich wiederum wesentlich verlockender war als "bloß" eine 194 zu fotografieren, da mir aufgrund meines Alters das bewußte Erleben des DB-Dampfbetriebes leider nicht vergönnt gewesen war.
Es gibt wieder Hoffnung
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Größer kann der Kontrast kaum sein: Ein Neigetechnik-ICE passiert am 25.01.2005 kurz hinter Förtschendorf einen der zahlreich noch vorhandenen Fahrleitungsmasten aus dem Jahre 1939. |
Ein Besuch bei Bekannten in Coburg, den ich dazu nutzte ein wenig die dortigen
Eisenbahnstrecken inklusive der Frankenwaldrampe zu erkunden, brachte für mich die
erstaunliche Erkenntnis, daß sich insbesondere auf letzterer Strecke bis zur heutigen
Zeit zumindest teilweise die originalen Fahrleitungsmasten aus der Eröffnungszeit des
elektrischen Betriebes dieser Strecke von 1939 gehalten hatten. Aufgrund der bald darauf
die Runde machenden Meldung, daß auch auf der Frankenwaldrampe ein privates EVU
Schiebedienstleistungen anbieten will, dieses sogar mit einer der ursprünglich auf
dieser Strecke eingesetzten Loks der Baureihe 194, faßte ich den Entschluß mir dieses
Spektakel nicht entgehen lassen zu wollen.
Eine erste Fahrt im Frühjahr 2006 brachte jedoch die ernüchternde Erkenntnis, daß just
zu diesem Zeitpunkt die eigentlich erhoffte Lok der Baureihe 194 aufgrund eines
Fahrmotorschadens im Ausbesserungswerk weilte und durch eine moderne Lok der Baureihe
185 vertreten wurde. Diese Tatsache im Zusammenhang mit der gerade einsetzenden
Schneeschmelze, die ein Erreichen vieler interessanter Fotopunkte nahezu unmöglich
machte, führte wiederum dazu, daß ich die eigentlich ersehnten Aufnahmen nicht in den
Kasten bekam. Immerhin konnte ich jedoch den Schiebebetrieb den die DB mit ihren Loks
der Baureihe 151 dort abwickelt als kleinen Vorgeschmack auf mich wirken lassen.
Den nächsten Versuch startete ich wenig später mit einem Besuch der Spessartrampe im
Zusammenhang mit einer Fototour zu den 110ern auf dem südlichen Teil der
Nord-Süd-Strecke. Leider mußte ich auch hier wieder eine Niederlage einstecken, fanden
doch keine Schiebedienste aufgrund von Streckenbauarbeiten zwischen Heigenbrücken und
Lohr am Main mit den damit einhergehenden Umleitungen für den Güterzugverkehr statt.
Nachdem der Sommer 2006 eher verregnet startete, stellte sich im Juli dann endlich eine
lange Schönwetterperiode ein in deren Verlauf ich beschloß, mein Glück mit den
Schiebeloks nochmals zu probieren.
Aufgrund der meiner Ansicht nach fotogeneren Frankenwaldrampe wählte ich diesmal diese
als Ziel aus und hatte Glück. Noch am Tag der Ankunft wurde die im Bahnhof Probstzella
abgestellte Lok besucht um mich zu vergewissern, daß auch wirklich eine 194 dort zum
Einsatz bereit stand. Da dieses der Fall war, konnte ich natürlich den nächsten Tag kaum
erwarten, wenn die Lok gegen 9.00 Uhr früh nach Pressig-Rothenkirchen fahren sollte um
von dort dann gegen 10.00 Uhr einem Schrottzug zum Stahlwerk nach Unterwellenborn bei
Saalfeld über den Rennsteig zu helfen.
Den restlichen Tag verbrachte ich deshalb damit, geeignete Fotostandpunkte ausfindig zu
machen um diese interessante Leistung auch entsprechend umsetzen zu können.
Am nächsten Morgen erwachte ich bei strahlendem Sonnenschein gerade zur rechten Zeit um
Stellung an der Strecke zu beziehen, ein paar Probeaufnahmen mit anderen Zügen zu machen
und dann der Dinge zu harren die da kommen sollten.
Es dauerte dann auch nicht sehr lang, da kam eine der Siemens-Dispoloks mit einem langen
Güterzug aus Richtung Probstzella angefahren. Kaum hatte der Lokführer mich erspäht
pfiff er zum Gruß und wohl um darauf aufmerksam zu machen, daß er die 194 580 als
Schlußlok am Zug führte.
Nachdem ich somit endlich meine erste, heißersehnte Aufnahme dieser interessanten
Maschine sicher hatte, konnte ich die verbleibende Zeit nutzen, um für die Rückleistung
hinter dem Schrottzug eine geeignete Fotostelle zu finden. Dieses gestaltete sich
garnicht so sehr einfach, da selbst im Hochsommer zu dieser Zeit die Schatten der
umliegenden Berge teilweise die Strecke noch ins Dunkel tauchen. Außerdem suchte ich ja
auch nach einem Fotopunkt von dem aus ich den Zug mit beiden Loks aufnehmen konnte.
Auch diese Fotostelle wurde aufgrund der Recherchen des Vortages bald gefunden und ich
konnte auch diese Aufnahme wie gewünscht machen. Damit hatte sich für mich die Sache
schon gelohnt, hatte ich doch endlich die Aufnahmen im Kasten, die ich schon so lange
ersehnt hatte.
Auch wenn für den Rest des Tages keine weiteren Fahrten der 194 angekündigt waren, gab es
dennoch unzählige interessante Aufnahmen zu machen, da wie gesagt nicht nur die
Landschaft des Haßlach- und Loquitztals sehr reizvoll ist sondern auch die sehr vielen
unterschiedlichen Fahrzeuge die im Personen- wie im Güterverkehr eingesetzt werden,
immer wieder zum Fotografieren einladen.
| Nachmittags ist das Licht in Ludwigstadt für nordwärts fahrende Züge gut geeignet um ein schönes Panorama des Ortes mit dem Eisenbahnviadukt aufzunehmen. |
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Aufgrund der recht stark gewundenen Streckenführung kann man auch gut mehrere Tage an
der Strecke verbringen, denn es ist kaum möglich alle interessant erscheinenden
Fotopunkte mit den gewünschten Fahrzeugen an einem Tag zu erledigen. Hat man nämlich
endlich an der einen Stelle das gewünschte Motiv aufgenommen, herrscht an der nächsten
Stelle bereits Schatten oder die Sonne ist zumindest bereits so weit herum, daß die
Frontpartien der Züge im Schatten liegen.
Im Januar des Jahres 1956 wurde die E94 280 als eine der Loks aus einer
Nachkriegsbestellung von 1952 an die DB abgeliefert und im Bw Nürnberg Rbf in Betrieb
gesetzt. Diese späte Nachbestellung einer zwölf jahre alten Lokkonstruktion läst sich
wohl nur damit begründen, daß die DB zu Beginn der 50er Jahre den Strukturwandel stark
forcierte, gleichzeitig jedoch die neuen Einheits-Elektroloks auf absehbare Zeit jedoch
noch nicht in ausreichender Zahl verfügbar waren.
Aufgrund von geänderten Fahrmotoren und leistungsfähigeren Transformatoren gegenüber
ihren älteren Schwesterloks wurden diese Loks als Unterbaureihe E942
geführt.
Durch die Bestrebung einer Anhebung der Transportgeschwindigkeit auch für Güterzüge
verstärkte sich im Laufe der Jahre immer weiter die Notwendigkeit entsprechend schnelle
Loks bereitstellen zu können. Nachdem Tests ergeben hatten, daß eine Heraufsetzung der
Höchstgeschwindigkeit bei den Loks der Unterbaureihe 1942 unproblematisch
möglich wäre, wurden diese zum Jahreswechsel 1970/71 entsprechend in 1945
umgezeichnet. So auch die 194 280 in 194 580.
Als letzte 194 der DB erhielt sie am 18.12.1984 noch eine Hauptuntersuchung U2.8 im
Ausbesserungswerk München-Freimann. In den Monaten März und April 1987 wurden dann
Versuchsfahrten mit der Lok in der Schweiz durchgeführt in deren Folge sich die SBB
entschlossen acht Loks der Unterbaureihe 1945 von der DB ab dem
Sommerfahrplan anzumieten, darunter auch die 194 580, die von Zürich aus eingesetzt
wurde. Jedoch währte ihr Einsatz nicht lange, da sie bereits im Juli wieder an die DB
zurückgegeben wurde.
| Am Samstagvormittag, dem 22.07.2006 wartet 194 580 auf die nächsten Schubeinsätze, nachdem sie ihre nächtlichen und morgendlichen Schubdienste bereits absolviert hatte. |
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Am 17. Dezember 1987 wurde sie dann z-gestellt und anschließend an die Historische
Eisenbahn in Frankfurt/Main verkauft.
Ab Mitte der 1990er Jahre wechselte die Lok in den Dienst der Muldental
Eisenbahnbetriebsgesellschaft, die sie bis Ende des Jahres 2006 für die vorstehend
beschriebenen Schiebeleistungen am Rennsteig eingesetzt hat.
Zum Ende des Jahres 2006 endete jedoch die Karriere der 194 580 im Schiebedienst abrupt,
da sie einen Hauptschalterschaden erlitt, der sie für längere Zeit außer Gefecht
setzte.
Im Jahr 2009 wurde die Lok dann an das private Eisenbahnverkehrsunternehmen Rail4U
abgegeben, repariert und betriebsfähig aufgearbeitet und in der Folge in das
ozeanblau-beige Farbschema der ehemaligen DB umlackiert. Fortan wurde die 194 580 dann
als 194 178 in Zweitbesetzung genummert und mit entsprechenden Lokschildern versehen im
regulären Güterzugdienst eingesetzt.
Im Jahr 2020 wurde die 194 178 dann als Dauerleihgabe an das
Thüringische
Eisenbahnmuseum↗
in Weimar abgegeben, wo sie noch heute zu besichtigen ist.
Die Strecke wurde 1885 durch die Bayerische Staatseisenbahn als zweigleisige Hauptbahn
errichtet. Die Aufnahme des elektrischen Betriebes auf dieser wichtigen Verbindungslinie
zwischen Mitteldeutschland und Bayern erfolgte bereits 13.05.1939. Nach dem zweiten
Weltkrieg wurde die Strecke auf dem Abschnitt Hochstadt-Marktzeuln bis Saalfeld, mit
Ausnahme des Abschnittes Förtschendorf - Steinbach am Wald, ihres zweiten Gleises nebst
der zu diesem Gleis zugehörigen Oberleitungsanlagen beraubt. Außerdem wurde auf dem
Territorium der ehemaligen DDR auch die Fahrleitung des verbliebenen Streckengleises zu
Reparationszwecken demontiert. Der einzig übriggebliebene zweigleisige Abschnitt
Förtschendorf - Steinbach am Wald verdankt sein überleben wohl der Tatsache, daß die
Streckenkapazität an dieser Stelle, durch die zwangsläufigen Leerfahrten der
Schiebelokomotiven ansonsten über Gebühr eingeschränkt worden wäre.
Nach der Wiedervereinung Deutschlands wurde die zweigleisigkeit der Strecke vordringlich
wieder hergestellt. Dabei wurden jedoch glücklicherweise die vorhandenen
Fahrleitungsanlagen größtenteils weiterverwendet und lediglich das zweite Gleis mit
neuen Masten ausgestattet. Deshalb finden sich an der gesamten Strecke etliche
Fotostellen an denen man modernste ICE-Neigetechnikzüge ebenso wie die beliebte 194
neben knapp 70-jährigen Fahrleitungsmasten bewundern kann.
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Zum Abschied noch eine Aufnahme von 194 580 nach ihrer Ankunft im Bahnhof von Probstzella. Jetzt muß sie nur noch abkuppeln, dann kenn der Schrottzug seine Fahrt in Richtung Saalfeld fortsetzen. |
Quellenverzeichnis:
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Letzte Aktualisierung 08.2026 © by Ingo Foege ■
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